Onkologie - Für Patienten

  1. 1. Knochenmark- und Blutfunktionen
  2. 2. Transplantation
  3. 3. G-CSF Selbstapplikation
  4. 4. Chemotherapie
  5. 5. Informationsmaterial

Knochenmark- und Blutfunktionen


Blut ist lebensnotwendig und seine Funktionen sind vielseitig. Blut transportiert Sauerstoff, Nährstoffe, Hormone und chemische Stoffe zu den einzelnen Körperzellen. Es spielt eine entscheidende Rolle beim Schutz des Körpers vor Infektionen. Das Blut hilft dem Körper außerdem, Abfall- und Giftstoffe zu entfernen.


Das in den Gefäßen zirkulierende Blut besteht aus Blutflüssigkeit (Blutplasma) und den darin enthaltenen Zellen und Zellbestandteilen. Drei Arten der Blutzellen kann man unterscheiden:


Erythrozyten (Rote Blutkörperchen): Sie machen die Hauptmenge der zellulären Bestandteile des Blutes aus und enthalten den eisenhaltigen roten Blutfarbstoff Hämoglobin, der für den Sauerstofftransport von den Lungen in alle Körpergewebe verantwortlich ist. Der Mangel an roten Blutkörperchen wird Anämie genannt. Wenn ein Mensch anämisch ist, kann er sich schwindelig fühlen, kurzatmig und blass sein und Kopfschmerzen haben, da nicht genug Sauerstoff in seinem Blut zirkuliert. Die Betroffenen fühlen sich müde, abgeschlagen und in ihrer Leistung eingeschränkt.


Im gesunden Blut befindet sich:

Hämoglobin in einer Menge von 12-16g/dl

Milde Anämie: 10-12g/dl

Mittelgradige Anämie: 8-10g/dl

Schwere Anämie: <8g/dl


Thrombozyten (Blutplättchen): Dies sind kleine scheibenförmige Zellen, die für die Blutgerinnung und Gefäßabdichtung verantwortlich sind. Die Blutplättchen stoppen Blutungen. Wenn zu wenig Blutplättchen im Körper vorhanden sind, kann es leicht zu Blutungen oder Blutergüssen kommen. Dies äußert sich z.B. in Nasen- oder Zahnfleischbluten oder in der Bildung von blauen Flecken schon bei minimalen Verletzungen. Im gesunden Blut befinden sich 150.000 bis 450.000 Blutplättchen/µl. Wird ein Grenzwert der Thrombozyten von 20.000/µl unterschritten, liegt eine schwere Thrombozytopenie mit der Gefahr von Blutungen vor.


Leukozyten (Weiße Blutkörperchen): Sie sind wichtige Funktionsträger des Immunsystems. Sie helfen, Infektionen zu verhindern und zu bekämpfen. Es gibt drei Haupttypen von weißen Blutkörperchen: Granulozyten, Monozyten und Lymphozyten, die jeweils eine wichtige Rolle bei der Infektionsbekämpfung spielen. Im gesunden Blut befinden sich 4.000 bis 10.000 weiße Blutkörperchen/µl. Ist die Zahl der Granulozyten stark vermindert, ist ein erhöhtes Infektionsrisiko gegeben.


Das Knochenmark als Ort der Blutbildung

Alle Typen von Blutzellen werden im Knochenmark produziert. Das Knochenmark ist weiches, schwammartiges Gewebe und ist vor allem im Inneren der großen Röhrenknochen des Körpers zu finden, besonders reichlich im Beckenknochen. Im Knochenmark werden Wachstum und Entwicklung der normalen Zellen sorgsam überwacht, um die richtige Anzahl jedes Typs von Blutzellen zu produzieren. Obwohl es viele verschiedene Typen von Blutzellen gibt, entstehen alle im Knochenmark produzierten Zellen aus einer einzigen Zellart, den so genannten Stammzellen. Nur ein sehr geringer Anteil der Zellen im Knochenmark sind Stammzellen. Das Knochenmark speichert die Stammzellen, bis der Körper einen bestimmten Typ reifer Blutzellen benötigt. Dann entstehen aus diesen Blutstammzellen durch Zellteilung und Zelldifferenzierung sehr schnell viele der oben genannten Blutzellen. Während die Stammzellen reifen, werden ihre Merkmale immer differenzierter, so daß sich schließlich spezifische Blutzellen entwickeln.


Das lymphatische System

Das lymphatische System steht in engem Zusammenhang mit dem blutbildenden System. Im Knochenmark entwickeln sich neben den blutbildenden Zellen auch die Zellen des lymphatischen Systems, die Lymphozyten. Diese werden nach ihrer Funktion und ihrer Entwicklung in B- und T-Lymphozyten unterschieden. Die B-Lymphozyten reifen im Knochenmark zu reifen, funktionsfähigen Zellen heran. Die T-Lymphozyten wandern in noch undifferenziertem Zustand aus dem Knochenmark in den Thymus aus, um dort zu reifen. Bei der Immunabwehr haben die verschiedenen Lymphozytenklassen jeweils spezifische Funktionen. Untereinander stehen diese Zellen über Zytokine in Verbindung. Das heißt, diese Zellen können sich sowie andere an der Immunabwehr beteiligte Zellen beeinflussen, sowohl hemmen als auch aktivieren. Die Lymphozyten durchwandern im Blut und in den Lymphbahnen den gesamten Körper.


Das lymphatische System ist somit kein einzelnes Organ, sondern übt seine Aufgabe, die Immunabwehr, im gesamten Körper aus. Die wichtigsten lymphatischen Organe sind die Lymphknoten, die Milz aber auch spezielle Gewebe im Magen-Darm-Trakt und im Rachen.